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Durch Wissen Steuerehrlichkeit fördern?

In den Medien wird häufig im Rahmen großer Skandale über Steuerhinterziehung und -vermeidung berichtet. Auf hitzige Diskussionen folgt dann oft die Frage, wie es generell um die Steuerehrlichkeit in Europa bestellt sei. Neben den prominenten Fällen von großen Unternehmen und Personen der Öffentlichkeit, betrifft dieses Thema jedoch fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Gesellschaft: Vielen ist unklar, wo in Sachen Steuern der legale Rahmen endet und die Steuerhinterziehung beginnt. Wir fragen uns: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Steuer-Wissen einer Person und ihrer Steuerehrlichkeit? Falls ja, wie könnte man eine steuerehrliche Einstellung schon bei Schülerinnen und Schülern fördern? Ein Team des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien (Prof. Bettina Fuhrmann, Nora Cechovsky und Michael Posch) geht diesen Fragen in seiner Forschung nach.

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Was hat Steuerehrlichkeit mit Wissen zu tun?
Johanna arbeitet in Vollzeit in der Buchhaltung. In ihrer Freizeit gibt sie Nachhilfe. Dabei verdient sie 300 Euro im Monat dazu. Muss Johanna diese zusätzlichen Einnahmen versteuern? Das Forscherteam der WU Wien fragte im Rahmen von zwei Studien bei Schülerinnen und Schülern in Österreich und Deutschland im Alter von durchschnittlich 17 Jahren nach. Etwa die Hälfte war der Meinung, dass Geld, welches man für Nachhilfestunden verdient, für die Einkommensteuer nicht relevant sei. Die andere Hälfte war sich der Tatsache bewusst, dass zusätzliche Einnahmen grundsätzlich zu versteuern seien. Vielen Menschen ist das bekannt, dennoch verschweigen sie Zusatzeinkommen bei der Steuererklärung. Einige sind der Meinung, dass solche kleinen Beträge irrelevant für den Staat und seine Steuereinnahmen wären. Doch was wäre, wenn jeder so denken und handeln würde?
 
In der Öffentlichkeit herrscht Konsens darüber, dass Steuerhinterziehung im großen Stil der Gesellschaft schadet und bestraft werden sollte. So bekannte sich laut Medienberichten der Fußballstar Luka Modric unlängst der Steuerhinterziehung für schuldig und wurde daraufhin zu einer Haftstrafe und hohen Steuernachzahlungen verurteilt. Aufgrund der Höhe der hinterzogenen Summen stoßen Verurteilungen wegen Steuerhinterziehung, wie in diesem Fall, meist auf ein positives Echo. Ähnlich kritisch sehen viele Bürgerinnen und Bürger die verschiedenen Methoden großer Unternehmen zur Steuervermeidung. Die Steuerschuld soll hierbei auf legalem Wege verringert werden. Vor allem großen internationalen Konzernen wie z. B. Starbucks oder Amazon wird in Europa eine solche Praxis nachgesagt. Betroffene Staaten können darauf reagieren, indem sie versuchen, vorhandene Steuerlücken zu schließen. In Kombination sind Strafen und Gesetze folglich eine Methode, sowohl die Steuerhinterziehung als auch die Steuervermeidung in einer Gesellschaft einzudämmen und langfristig die Steuerehrlichkeit zu fördern.
 
Daneben ist Wissen über Steuern ein wichtiger Faktor, der die Steuerehrlichkeit maßgeblich beeinflussen kann. So untersuchte eine der oben erwähnten Studien auch, welcher Zusammenhang zwischen dem Steuerwissen und der Einstellung einer Person zu Steuerehrlichkeit besteht. Interessanterweise konnte das Forscherteam einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen vorhandenem Steuerwissen und der Einstellung zur Steuerhinterziehung feststellen. Schülerinnen und Schüler, welche es im Rahmen der Befragung beispielsweise in Ordnung fanden, ein Essen mit Freunden in der Steuererklärung als Geschäftsessen zu deklarieren, konnten gleichzeitig weniger Fragen zum Thema Steuern richtig beantworten als Schülerinnen und Schüler mit entgegengesetzter Meinung. Es galt also: Je höher das Steuerwissen, desto negativer wurde Steuerhinterziehung bewertet. Zudem fanden es Schülerinnen und Schüler mit mehr Steuerwissen prinzipiell gut, wenn jemand seine Steuern ordnungsgemäß bezahlt und das Zahlen von Steuern als staatsbürgerliche Pflicht ansieht.
 
Wenn also Steuerehrlichkeit auf einem grundlegenden Verständnis für steuerliche Zusammenhänge basiert, kann sie durch den Unterricht gefördert werden.
 
Was sollte bei der Behandlung des Themas Steuern im Unterricht beachtet werden?
In Bezug auf den Unterricht stellt sich dem Team der WU Wien die Frage, wie steuerliche Themen für Schülerinnen und Schüler spannend gestaltet werden können, um allgemeines Steuerwissen zu vermitteln und somit zur Förderung einer steuerehrlichen Einstellung beizutragen. Da die Inhalte des Steuerrechts aufgrund ihrer Komplexität nicht direkt in den Unterricht übernommen werden können, ist es für die Unterrichtsplanung und -durchführung wichtig, die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, wie zum Beispiel ihre Meinungen und ihre Interessen, miteinzubeziehen.
 
Im Rahmen eines Projektes der WU Wien in Kooperation mit der Joachim Herz Stiftung wurde den Schülerinnen und Schülern daher viel Raum zur Formulierung ihrer Meinungen und Eindrücke gegeben. Ziel war es, ihnen ein grundlegendes Wissen und gute Problemlösungsfähigkeiten im Bereich der Steuerlehre zu vermitteln und somit zur Förderung ihrer Steuerehrlichkeit beizutragen. Dabei eigneten sich die Schülerinnen und Schüler das Steuerwissen selbständig über einen Onlinekurs an und hielten ihre Erfahrungen sowie Eindrücke zur Thematik und zu den Materialien in Lerntagebüchern fest.
 
Die Auswertung dieser Tagebücher ergab, dass für einen Großteil der Schülerinnen und Schüler die Steuerthematik sowohl für ihren Alltag als auch für ihr (späteres) Berufsleben von Bedeutung ist. So äußerte eine Schülerin beispielsweise: „Ich finde es sehr wichtig, dass uns dieses Thema so nahegebracht wird, weil wir das auch in unserem weiteren Leben brauchen werden.“ Die bisherige Auswertung zeigt auch, dass die Schülerinnen und Schüler sich vor allem Wissen im Bereich der Umsatzsteuer sowie der Einkommenssteuer (inkl. Lohnsteuer) wünschen, da diese Steuern eine wesentliche Bedeutung in ihrem Leben einnehmen bzw. in Zukunft einnehmen werden. Diese recht explizite Forderung nach mehr Wissen in den genannten Bereichen sollte vor allem bei der Auswahl der geplanten Inhalte für den Unterricht berücksichtigt werden.
 
Analysiert man die Lerntagebücher der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf das Interesse, stehen vor allem die Funktionen von Steuern (Finanzierungs-, Lenkungs- und Umverteilungsfunktion) an erster Stelle. Die Befragten fanden es demnach interessant, zu verstehen, warum Steuern eigentlich erhoben werden und welche Funktionen diese erfüllen. Daher ist bei der (Aus-)Gestaltung des Unterrichts auch zu beachten, dass nicht nur aufgezeigt wird, welche unterschiedlichen Steuern existieren und wie diese im Detail funktionieren. Den Schülerinnen und Schülern sollte auch aus volkswirtschaftlicher Sicht erklärt werden, warum Steuern für das gesellschaftliche Leben von hoher Bedeutung sind.
 

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