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Kann die Energiewende gelingen? – Aspekte zur Energiewende in Deutschland

In unserer Gesellschaft vollzieht sich ein rigoroser Wandel in der Energiewirtschaft, die Energiewende ist im Gange. Was bedeutet Energiewende? Wie läuft sie ab? Welche Probleme sind dabei zu lösen? Dr. Wolfgang Gerber, Lehrer und Fachberater Geographie, greift in seinem Beitrag Aspekte der Energiewende auf, die im Schulunterricht in der Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern präsent sein sollten.

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Bedeutung der Energiewende

Seit dem 11. März 2011, als ein Tsunami im japanischen Fukushima im dortigen Atomkraftwerk den Supergau auslöste, gibt es in der Energiepolitik der Bundesregierung ein Umdenken, das zu einer Energiewende in Deutschland führt. Dabei sollen erneuerbare Energieträger die Kohle und Kernkraft als Energiequellen ablösen. Gleichzeitig hofft man, so die Klimaziele Deutschlands zu erreichen. 2019 untermauert die Bundesregierung diese Ziele durch das Klimaschutzpaket. Die Energiewende wird in Deutschland als eine Transformation zu einem vollständig dekarbonisierten und atomfreien wie sozial- und wirtschaftsverträglichen Energiesystem verstanden. Für eine echte Wende braucht es aber die Unterstützung der europäischen Staaten. Die EU setzte zu Beginn der neuen Dekade mit ihren Klimazielen ein positives Zeichen dafür.

Weltweit wird eine technische Energiewende bis 2030 für realisierbar gehalten, politisch und praktisch jedoch erst frühestens bis 2050. Als größte Hürde erweisen sich dabei der politische Wille und die Kosten für die einzelnen Länder. Deutschland verpflichtet sich bis 2050 nahezu treibhausgasneutral zu sein. Für die Senkung der Treibhausgasemissionen wurden folgende Vorgaben gesetzt: (Basisjahr 1990)

  • 2020 Senkung um 40 % 
  • 2030 Senkung um 55 %
  • 2040 Senkung um 70 % 
  • 2050 Senkung um 80 % - 95 %

Ziele der Energiepolitik – ihre Umsetzung und Probleme

Die Umstellung der Energieversorgung kommt einem Strukturwandel nicht nur auf dem Sektor der Energiewirtschaft gleich. Mit den Worten des Wirtschaftsministers Altmaier beschrieben, gleiche die Energiewende einer „Operation am Herzen unserer Volkswirtschaft“. Die zukünftigen Energiesysteme Deutschlands sollen u. a. folgende Anforderungen erfüllen:

  • mengenmäßig ausreichende Energiebereitstellung
  • bedarfsgerechte Nutzungsqualität
  • Ressourcenschonung 
  • Umweltverträglichkeit
  • soziale Verträglichkeit
  • niedrige Kosten

Strom und Wärme werden in Zukunft dezentralisiert erzeugt, so wird es mehr kleinere Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung in Deutschland geben. Bis 2023 soll in Deutschland das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird bis 2038 vollzogen sein. Gleichzeitig wird der Energiebedarf in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Die Stromversorgung wird dann vorwiegend mit Windkraft und Sonnenenergie, aber auch mit Biomasse und Wasserkraft gewährleistet. Derzeit erhalten wir in Deutschland ca. 40 % Energie aus erneuerbaren Quellen, 2035 sollen es 65 % sein. Die Hauptlast tragen dabei Windkraft- und Sonnenenergieanlagen. In Deutschland gibt es heute über 31.000 Windräder, die einen Anteil von ca. 50 % an erneuerbaren Energien abdecken. Die Errichtung weiterer Windkraftanlagen ist in der Bevölkerung sehr umstritten. Diskutiert wird z. B. über einen Mindestabstand von 1.000 m zu Siedlungen. Auch die Umweltschützer melden sich zu Wort, da durch Windräder zu viele Vögel sterben. Diese Probleme sind sicher nur durch Kompromisse lösbar. Es gibt bereits Vorschläge von Politikern, das Abstandsproblem z. B. durch Ausgleichszahlungen zu regeln. Windradparks werden bevorzugt onshore oder offshore an den Küsten von Nord- und Ostsee errichtet. Die Hauptabnehmer windkraftbasierter Energie befinden sich jedoch in den großen Ballungszentren im Süden und Westen der Republik. Nur etwa 15 % der Windkraftanlagen drehen sich südlich der Main-Linie. Die Folge davon ist, dass das Leitungsnetz in Deutschland vom Norden in den Süden ausgebaut wird. Das geschieht durch Oberleitungsbau oder durch Verlegung von Erdkabel. Auch hier gibt es Proteste von Anwohnern wegen Elektrosmog-Belastungen durch die Freilandleitungen sowie von Landwirten, die Ertragsausfälle durch Erdkabel unter bzw. in der Nähe ihrer Felder befürchten. Bei der Energieumwandlung von Windkraft und Sonnenenergie müssen auch sogenannte „Dunkelflauten“ einkalkuliert werden, wenn zeitweise die Energieumwandlung aus diesen Quellen nicht möglich ist. Erhebliche Störungen der Stromversorgung sind dann die Folge. Überlegungen gehen u. a. dahin, zum Energieausgleich einige Kohle- oder Gaskraftwerke noch in Betrieb zu belassen.

Die aufgezeigten Probleme führen aktuell dazu, dass der Ausbau von Wind- und Solaranlagen nicht wie geplant vorankommt. Energiewende bedeutet jedoch nicht nur Veränderungen auf dem Stromsektor, auch Wärmeversorgung und Mobilität sind bedeutende Faktoren in diesem Strukturwandel. Die Vernetzung der Energiewirtschaftssektoren Elektrizität, Wärme und Verkehr/Mobilität wird als Sektor(en)kopplung bezeichnet. Um Wärmeverluste an Gebäuden zu minimieren, ist in Deutschland eine umfassende Gebäudesanierung erforderlich. Das betrifft ca. 19 Millionen Gebäude, die energietechnisch umgerüstet werden müssen. 2018 konnte man bei 4,1 Millionen Gebäuden eine abgeschlossene Sanierung vermelden. Behält man das derzeitige Sanierungstempo bei, werden 2050 erst etwa 10,1 Millionen Gebäude energetisch erneuert sein. Auch hängt der Verkehrssektor noch einer raschen Entwicklung hinterher. Ein Anfang in Sachen Elektromobilität ist mit dem Elektromobilitätsgesetz getan. Die Autobauer stellen ihre Produktion nach und nach von Benzin- und Dieselfahrzeugen auf Hybrid- und Elektroautos um. Gleichzeitig wurden in 2019 so viele SUVs wie nie zuvor verkauft und der CO2-Ausstoß im Verkehr stieg sogar an.

Dies sind nur einige Aspekte zu Vorhaben, Bilanzen und Problemen der Energiewende. Die strukturellen Entwicklungen hat man sich sicher schneller vorgestellt. Mit mehr gesetzlichen Grundlagen und zielgerichteten Förderungen sind in Zukunft bessere Ergebnisse erreichbar.

Der persönliche Beitrag zur Energiewende

Eine grundlegende Voraussetzung, um die Energiewende und auch den Klimaschutz mitgestalten zu können, ist die Wissensaneignung darüber. Das Mitdemonstrieren an Freitagen sollte mit Detailwissen über den Klimawandel und die Energiethematik ausreichend untermauert sein. Die Schülerinnen und Schüler erfahren diese Hintergründe und Zusammenhänge in erster Linie im Unterricht. Mit diesem Wissen ausgestattet, gewinnen sie Einsichten, um auch über das Demonstrieren hinaus handeln zu können. Sie werden befähigt, ihren Lebensstil zu überprüfen und damit ihren Beitrag zur Energiewende aus eigenem Antrieb zu leisten. So könnten sie z. B. helfen, den Stromverbrauch zu Hause und in der Schule zu minimieren. Das fängt mit dem Lichtausschalten an, wenn man einen Raum verlässt. Des Weiteren sollten elektronische Geräte nicht längere Zeit im Standby-Modus verweilen. Beim Kauf von Elektrogeräten und Lampen sind Vergleiche zum Stromverbrauch ratsam. Für die Erledigung der Hausaufgaben oder beim Lesen muss abends nicht die volle Deckenbeleuchtung eingeschaltet werden, eine Leselampe genügt meist. Bei der Wahl des Stromanbieters durch die Eltern lohnt sich eine Recherche, um Geld und Energie zu sparen. Stromkonzerne wollen möglichst viel Strom verkaufen, was jedoch dem Anliegen der Gesellschaft, Strom einzusparen, eigentlich widerspricht. In der kalten Jahreszeit sollte man effektiv heizen und die Räume sinnvoll lüften. Bei der Körperpflege ist der CO2-Ausstoß für eine volle Badewanne mit 2 kg wesentlich höher als bei einer Dusche mit nur 0,5 kg CO2. Wer öfters das Fahrrad für den Weg zur Schule nutzt, statt sich von den Eltern mit dem Pkw fahren zu lassen, hat nicht nur dem Klima geholfen, sondern auch seiner Gesundheit Gutes getan. All diese Dinge und mehr tragen zum Energiesparen bei und sind persönliche Beiträge zum Gelingen der Energiewende und für den Klimaschutz.

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