Was schätzt du, wie viele Länder sind an der Herstellung deines Smartphones beteiligt?
Wir schauen genauer hin und nehmen die Lieferkette eines Smartphones am Beispiel des iPhones unter die Lupe. Nicht weil der Hersteller Apple ein Sonderfall wäre, sondern weil die Lieferkette des iPhones eine der am besten dokumentierten der Welt ist – und damit sinnbildlich für das steht, was hinter jedem modernen Smartphone steckt: internationale Arbeitsteilung.
Die Idee dahinter ist ökonomisch einleuchtend: Jedes Land übernimmt den Teil der Produktion, den es am besten oder am günstigsten leisten kann. Das Ergebnis sind Produkte, die billiger, leistungsfähiger und schneller verfügbar sind als je zuvor – ein Gewinn für alle Beteiligten. Zumindest in der Theorie.
Die Tabelle macht sichtbar, was auf deinem iPhone nicht steht: wie viele Länder, Unternehmen und Menschen daran beteiligt sind – und wer wie viel verdient.
Schaue dir die Informationen in der Tabelle gründlich an, bevor du die Lieferkette Schritt für Schritt durchläufst, indem du dich von Station zu Station klickst.
Deine Reise beginnt jetzt.
| Bestandteile | iPhone 16 Pro Max 256 GB | ||
|---|---|---|---|
| Verkaufspreis bei Markteinführung | 1.199 USD | ||
| Anteil in % | Kosten in USD | Produktionsland | |
| 6.9` Display & Touchscreen | 16 | 80 | Südkorea |
| Arbeitsspeicher (RAM) | 3 | 17 | Taiwan/Japan |
| Flash-Speicherchip | 4 | 22 | chargenabhängig |
| Hauptprozessor | 9 | 45 | Taiwan |
| Modem/Sendeempfänger | 6 | 28 | chargenabhängig |
| Konnektivität & Energieversorgung | 13 | 61 | Schweiz/Frankreich |
| Kamerasystem | 24 | 119 | Taiwan |
| Batterie | 3 | 15 | China |
| Platinensubstrat | 3 | 15 | chargenabhängig |
| Gehäuserahmen | 4 | 19 | chargenabhängig |
| Lieferumfang | 2 | 8 | chargenabhängig |
| Fertigung und Sonstiges | 12 | 57 | China |
| Summe | 99 | 486 | |
Hinweis: Die Prozentwerte der einzelnen Komponenten wurden jeweils separat gerundet. Durch diese Einzelrundungen summieren sich die Anteile nicht exakt auf 100 Prozent, sondern auf 99 Prozent. Diese sogenannte Rundungsdifferenz ist statistisch üblich und kein Rechenfehler.
Margenschätzung: Die Marge beträgt rund 713 US-Dollar bzw. 59 Prozent des Verkaufspreises (1.199 US-Dollar minus 486 US-Dollar Herstellkosten). Diese Marge ist nicht gleich Gewinn, sondern deckt zusätzlich Forschung und Entwicklung, Software, Design, Marketing und Verwaltungskosten ab. Der tatsächliche Gewinn ergibt sich erst nach Abzug dieser Posten.
Cupertino, Kalifornien. Eine Kleinstadt im Silicon Valley, 60 Kilometer südlich von San Francisco. Hier, hinter geschwungenen Glasfassaden und gepflegten Obstgärten, liegt der Apple Park – Firmensitz eines der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt. Rund 12.000 Menschen arbeiten an diesem Ort.
Warum hier? Design und Markenstrategie brauchen kreative Köpfe, Universitäten und Kapital. Das Silicon Valley konzentriert mehr technologisches Know-how als jeder andere Ort der Welt. Apple zahlt hier die höchsten Löhne der gesamten Lieferkette. Cupertino ist der teuerste Standort der iPhone-Produktion und der profitabelste.
Tausende Kilometer von Cupertino entfernt, im Süden der Demokratischen Republik Kongo, beginnt die eigentliche Geschichte des iPhones. In der Erde des Landes lagert Kobalt, ein Metall, ohne das keine Lithium-Ionen-Batterie funktioniert, kein Smartphone, kein Laptop, kein Elektroauto. 2024 wurden weltweit rund 288.000 Tonnen Kobalt produziert.
Warum hier? Nicht wegen niedriger Löhne, sondern weil das Kobalt hier liegt. 76 Prozent der weltweiten Reserven befinden sich im Kongo. Die weltweite Kobaltproduktion ist damit abhängig vom Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo. Die Natur hat entschieden, wo abgebaut wird.
Quelle: www.gtai.de
Quelle: https://www.nzz.ch/video/kobalt-abbau-in-kongo-kinderarbeit-im-fokus-ld.1869441
Die Demokratische Republik Kongo hat in Frankreich und Belgien Klagen gegen die dortigen Ableger von Apple eingereicht. Der Staat im Zentrum Afrikas wirft dem Technikgiganten vor, für die Herstellung seiner Geräte Rohstoffe aus Konfliktregionen zu benutzen und deren Herkunft zu verschleiern. Apples Lieferkette in Afrika sei von „Blutmineralien“ (blood minerals) verunreinigt, heißt es in der Mitteilung der internationalen Juristengruppe, die den Kongo vertritt.
Der US-Amerikaner William Bourdon, einer der Anwälte, bezeichnete die Klagen dort als „ersten Schritt, um einen der größten Technologiekonzerne für seine Politik der endlosen Bereicherung unter Billigung schwerster Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen“. Im April dieses Jahres habe man Apple eine Liste von Fragen zu seiner Lieferkette zukommen lassen, die das Unternehmen nicht in zufriedenstellendem Maße beantwortet habe.
Apple beteuert, sich für eine „verantwortungsvolle Beschaffung“ einzusetzen
Apple, dessen Hauptsitz sich im US-Bundesstaat Kalifornien befindet, wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen setze sich „für eine verantwortungsvolle Beschaffung ein“, teilte es in einer Stellungnahme mit. Apple beziehe seine Rohstoffe über Zulieferer, an die man „die höchsten Standards der Branche“ anlege. Als der Konflikt in der Region in diesem Jahr erneut eskalierte, habe man die Zulieferer angewiesen, kein Zinn, Wolfram, Tantal und Gold mehr aus dem Kongo und dem benachbarten Ruanda zu beziehen. Die Mehrheit der von Apple verwendeten Mineralien sei recycelt.
Zinn, Wolfram und Tantal – aufgrund ihrer englischen Namen tin, tungsten und tantalum als „3T“ bezeichnet – sowie Gold sind wichtige Bestandteile von Computern, Handys, Batterien und Solaranlagen. Im Osten des Kongo und den angrenzenden Ländern gibt es große Vorkommen, die aus Sicht von Experten ein Hauptgrund für den seit den 1990er-Jahren anhaltenden Konflikt in der Region sind. Einige Minen befinden sich in der Hand der zahlreichen bewaffneten Gruppen, die um die
Vorherrschaft im Osten des Kongo kämpfen – und dabei Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben haben.
Viele Länder bemühen sich deshalb seit Jahren, das milliardenschwere Geschäft mit den Rohstoffen besser zu regulieren und die Lieferketten transparenter zu machen. Auch die USA und die Europäische Union verpflichten Firmen, die Herkunft von Zinn, Wolfram, Tantal und Gold zu prüfen, um den Konflikt in der Region nicht weiter anzuheizen.
Dass der Kongo Apple nun in Europa vor Gericht bringen will und nicht etwa in den USA, könnte ein Hinweis darauf sein, dass seine Juristen die europäische Regulierung für strikter und die Erfolgsaussichten deshalb für besser halten. Die Gruppe von Anwälten teilte mit, sie habe auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über ihre Klagen informiert. Man wolle einen Dialog darüber eröffnen, heißt es dort, welche Rolle die EU in dem Bemühen spielt, bewaffnete Gewalt in den Mineralienlieferketten Subsahara-Afrikas zu beenden.
Die Anwälte berichten von Täuschung mithilfe eines ausgeklügelten Verschleierungssystems
Der Rohstoffabbau in der Demokratischen Republik Kongo sei die Ursache unvorstellbaren Leids der Zivilbevölkerung in Teilen des Landes, heißt es weiter in der Mitteilung der Anwälte. Er habe einen Kreislauf von Gewalt und Konflikten angeheizt, indem er Milizen und Terroristen finanziert, und habe zur Zwangsarbeit von Kindern und Umweltzerstörung beigetragen. Ein ausgeklügeltes Verschleierungssystem ermögliche es, die Konfliktmineralien aus dem Kongo herauszuschmuggeln und zu verkaufen.
Apple, so der Vorwurf der Juristen, täusche seine Kunden darüber bewusst. „Es ist ein Billionen-Dollar-Unternehmen, von dem man annehmen muss, dass es um die Folgen seiner Handlungen weiß“, so der Anwalt Robert Amsterdam, dessen in Washington ansässige Kanzlei Amsterdam & Partners beim Verfassen der Klagen federführend war.
Quelle: Munzinger, Paul: Kongo verklagt Apple wegen „Blutmineralien, www.sueddeutsche.de, 18.12.2024.
Tausende Kilometer vom Kongo entfernt, auf einer kleinen Insel vor der Küste Chinas, wird ein weiteres nahezu unsichtbares Teil eines iPhones hergestellt: der Chip.
Warum hier? Taiwan hat seit den 1980ern massiv in Halbleiterforschung investiert und einen Technologievorsprung aufgebaut, den kein anderes Land der Welt bislang aufgeholt hat. TSMC, die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited kann Chips bauen, die weltweit kein anderer herstellen kann. Damit baut das Unternehmen nicht nur billiger aufgrund der geringeren Arbeitskosten im Vergleich z. B. zu den USA, sondern schlicht besser als alle anderen.
Im iPhone 17 steckt ein Chip namens A19. Er ist kleiner als ein Fingernagel, enthält Milliarden winziger Transistoren – und ist das leistungsfähigste Bauteil des gesamten Geräts. Ohne ihn läuft nichts. TSMC vereinte 2024 fast zwei Drittel – 64 Prozent – der globalen Umsätze in der Chipfertigung auf sich. Das macht Taiwan zu einem der strategisch wichtigsten Orte der Welt. Und es macht das iPhone abhängig von einer Insel, die 180 Kilometer vor der Küste Chinas liegt – und die China als Teil seines eigenen Staatsgebiets betrachtet.
Apple und die US-Regierung versuchen, die Abhängigkeit von Taiwan zu reduzieren. TSMC investiert insgesamt 40 Milliarden US-Dollar in zwei Fabriken in Arizona – eine der größten ausländischen Investitionen in der Geschichte der USA. Doch die Grenzen sind deutlich: In Taiwan produziert TSMC über 20 Millionen Wafer (dünne Halbleiterscheiben als Basis für Mikrochips) jährlich – in Arizona sind 600.000 geplant. Das ist weniger als drei Prozent der taiwanischen Kapazität. Dazu kommt ein technologischer Rückstand: Während Arizona ältere Chip-Generationen fertigt, läuft in Taiwan bereits die 2-Nanometer-Produktion an. Der modernste iPhone-Chip, der A19, wird weiterhin ausschließlich dort hergestellt. Und selbst das Fachwissen lässt sich nicht einfach exportieren: TSMC musste zeitweise Fachkräfte aus Taiwan einstellen, weil die nötigen Spezialisten in den USA nicht verfügbar waren. Internationale Arbeitsteilung lässt sich nicht per Dekret auflösen – das Know-how, die Kapazität und die Technologie bleiben vorerst in Taiwan.
Nach:
Kunath, Gero (2026): Taiwans Chipindustrie: Friedensgarantie oder Risiko?, IW-Kurzbericht 12/2026, Köln.
Schwan, Ben: 2-nm-Produktion bei TSMC im Test: "iPhone 17" kriegt SoC wohl zuerst, www.heise.de, 10.07.2024.
Schwan, Ben: Bericht: Erste Apple-Silicon-Chips kommen aus Arizona, www.heise.de, 27.09.2024.
Tausende Kilometer von Taiwan entfernt, in der chinesischen Provinz Henan, landet schließlich auch der Chip und trifft auf die Menschen, die aus den einzelnen Bauteilen ein iPhone zusammenbauen. Willkommen in Zhengzhou, einer Stadt, die kaum jemand kennt, und dem Ort, an dem mehr iPhones hergestellt werden als irgendwo sonst auf der Welt.
Warum hier? Drei Gründe machen China zum Montagestandort Nummer eins: niedrige Lohnkosten, eine einzigartige Produktionsinfrastruktur und Geschwindigkeit. Der Zulieferer Foxconn kann in Zhengzhou innerhalb weniger Wochen bis zu 200.000 Arbeiterinnen und Arbeiter mobilisieren. Kein anderer Ort der Welt schafft das in dieser Dimension. Foxconn verdient an der Montage eines iPhones rund drei Prozent des Verkaufspreises.
Hunter ist 34 Jahre alt. Er hat über zehn Jahre in der Foxconn-Fabrik in Zhengzhou gearbeitet – auch bekannt als „iPhone City“. Seine letzte Aufgabe war es, das iPhone 14 Pro am Fließband zusammenzubauen.
Das Geld. Mehr als 1.300 Euro im Monat – für chinesische Verhältnisse ein akzeptabler Lohn. Aber Hunter sagt: Er fühlte sich seiner Rechte und Würde beraubt. Am 9. Januar verließ er die Fabrik. Für immer.
Nach: Tabahriti, Sam: Er wurde seiner „Rechte und Würde“ beraubt: Ehemaliger iPhone-Fabrikarbeiter berichtet von Arbeitsbedingungen in chinesischem Werk, www.businessinsider.de, 09.02.2023.
Eine sechsmonatige verdeckte Untersuchung von China Labor Watch im Foxconn-Werk Zhengzhou ergab 2025 ein gemischtes Bild. Auf der positiven Seite: Minderjährige Arbeiter, 2019 noch dokumentiert, wurden diesmal nicht angetroffen. Und einige Beschäftigte berichteten, dass die Bedingungen bei Foxconn im Vergleich zu anderen lokalen Arbeitgebern besser seien – sie verwiesen auf Klimaanlagen, Warmwasser, Freizeiteinrichtungen und Kantinenzuschüsse.
Dennoch kommt Li Qiang, Gründer von China Labor Watch, zu einem ernüchternden Fazit: „Trotz Apples wiederholter Zusagen zeigt unsere Untersuchung, dass weiterhin grundlegende Arbeitsprobleme bestehen." Mehr als die Hälfte der Belegschaft sind demnach Leiharbeiter, obwohl das chinesische Gesetz deren Anteil auf zehn Prozent begrenzt. Foxconn bezeichnet sich selbst als „Arbeitgeber der Chancengleichheit", der „keine Diskriminierung duldet."
Nach: Bernhard, Christian: So sollen die Arbeitsbedingungen in der weltweit größten iPhone-Fabrik aussehen, www.t3n.de, 26.09.2025.
Zhengzhou war lange die einzige Antwort auf die Frage: Wo wird das iPhone gebaut? Das ändert sich. Tausende Kilometer weiter südwestlich, in der indischen Provinz Tamil Nadu, entstehen neue Fabriken.
Warum hier? Indien ist günstig, groß und vor allem: nicht China. Apple reduziert bewusst seine Abhängigkeit von einem einzigen Produktionsland im Sinne des geopolitischen Risikomanagements. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China belasten Lieferketten mit einem Abhängigkeitsrisiko, steigende Löhne in China verringern den Kostenvorteil, und der Druck der US-Regierung zur Verlagerung wächst. Indien bietet niedrige Lohnkosten, eine wachsende Infrastruktur und eine Milliarde potenzielle Arbeitskräfte. Die Logik ist dieselbe wie in Zhengzhou, nur an einem anderen Ort.
Indien möchte zur großen Alternative zu China werden. Die Regierung wirbt um internationale Konzerne, investiert in die industrielle Infrastruktur und verspricht stabile Rahmenbedingungen für die Produktion. Besonders für Unternehmen wie Apple und Foxconn ist das Land zu einem zentralen Standort geworden, um Lieferketten breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von China zu reduzieren.
Doch der Preis für diese Entwicklung wirft Fragen auf. Berichten zufolge wurden Arbeitsgesetze gelockert, um den Anforderungen großer Elektronikhersteller entgegenzukommen. Längere Schichten und flexiblere Arbeitszeiten sollen die Wettbewerbsfähigkeit indischer Fabriken erhöhen und Produktionsmodelle ermöglichen, die sich bereits in China bewährt haben. Aus Sicht der Unternehmen sind solche Anpassungen ein wichtiger Faktor, um Investitionen anzuziehen und globale Produktionsnetzwerke effizient zu betreiben.
Kritiker sehen darin jedoch eine bedenkliche Entwicklung. Sie warnen davor, dass wirtschaftliches Wachstum auf Kosten von Arbeitnehmerrechten erkauft werden könnte. Die Erfahrung vieler Industriestandorte zeigt, dass die Balance zwischen internationaler Wettbewerbsfähigkeit und sozialem Schutz schwer zu halten ist. Gerade in Branchen mit hohem Produktionsdruck besteht die Gefahr, dass Beschäftigte die Last des globalen Standortwettbewerbs tragen.
Indien steht damit vor einem grundlegenden Dilemma: Das Land braucht industrielle Arbeitsplätze und ausländische Investitionen, um Millionen Menschen Perspektiven zu bieten. Gleichzeitig wird sich langfristiger Erfolg nicht allein an Exportzahlen und Fabrikneubauten messen lassen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, wirtschaftlichen Aufstieg mit fairen Arbeitsbedingungen zu verbinden.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Indien China als Produktionsstandort Konkurrenz machen kann. Die entscheidende Frage ist, ob es dabei einen eigenen Weg findet – oder ob der Aufstieg zur Werkbank der Welt zwangsläufig die Übernahme jener Arbeitsmodelle bedeutet, die andernorts seit Jahren in der Kritik stehen.
Quelle: Nach: Schwan, Ben: Indien: Chinesische Arbeitsverhältnisse dank Lobbyarbeit von Apple und Foxconn, www.heise.de, 14.03.2023.
Nach einer wahren Odyssee landet das iPhone bei uns. Sein weiterer Weg liegt damit in unserer Hand: Denn hier wird gekauft, und hier wird entschieden, wie lange ein Gerät überhaupt benutzt wird.
Warum hier? Hohe Kaufkraft, stabile Rechtssysteme und eine zahlungskräftige Mittelschicht machen Europa zum wichtigsten Absatzmarkt. Hier wird nicht produziert, hier wird konsumiert. Und hier entstehen durch EU-Gesetze die Regeln zur Lieferkette, nach denen Apple weltweit handeln muss.
Eine aktuelle Umfrage unter iPhone-Nutzenden in Deutschland beschreibt unterschiedliche Wechselmuster bei Smartphones. Ein relevanter Teil der Befragten ersetzt sein Gerät relativ schnell, während andere es deutlich länger behalten. Neben technischen Gründen spielen auch Vertragslaufzeiten, Gewohnheiten und wahrgenommene Innovationssprünge eine Rolle.
Apple hat Reparaturen lange aktiv erschwert – das ändert sich jetzt, aber nur weil die EU es erzwingt:
Nach: boerse-global.de : Apple unter Druck: EU zwingt zu mehr Reparatur-Rechten,01.03.2026.
Ist die Reise nun zu Ende? Eher nicht: Wenn ein iPhone ausgedient hat, der Akku schwächelt, das Display springt oder das neue Modell lockt, beginnt ein neues Kapitel. Für viele Geräte führt es nicht zum Recyclinghof in Deutschland, sondern auf ein Schiff nach Westafrika. Nach Ghana, in die Hauptstadt Accra. Zurück auf den Kontinent, wo die Reise mit dem Rohstoff Kobalt begann.
Warum hier? Weil es billig ist, im schlechtesten Sinne. Illegale Elektroschrott-Exporte landen dort, wo Kontrollen schwach und Arbeitskraft günstig ist. Ghana hat keine Wahl getroffen. Der Schrott kommt zu ihm.
Agbogbloshie ist ein Stadtteil im Westen von Accra, der Hauptstadt Ghanas. Auf einer Fläche kaum größer als ein Fußballfeld entstand hier über Jahrzehnte eine der bekanntesten Elektroschrott-Halden der Welt. Ausgediente Geräte aus Europa und Nordamerika landen hier, werden zerlegt, verbrannt und auf Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium und Gold untersucht. Dabei gelangen giftige Chemikalien in den Boden, das Wasser und die Atmosphäre und belasten vor allem die Menschen, die hier täglich arbeiten – viele davon Jugendliche.
2021 wurde die Halde offiziell geräumt. Der Elektroschrott verschwand damit nicht.
Koordinaten: 5°33'01"N 0°13'27"W
Apple hat mit dem Roboter 'Daisy' eine Antwort auf den Elektroschrott-Vorwurf entwickelt: Die Maschine zerlegt alte iPhones in ihre Einzelteile und gewinnt wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Seltene Erden und Aluminium zurück. Apples Vision: Produkte eines Tages ausschließlich aus recycelten Materialien herzustellen – 'Cradle to Cradle'.
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=n9MV8mvt7WY (Zugriff: 07.05.2026)
(…) Der Roboter hat einen Namen: Daisy. Sie gibt es zweimal, die Zwillingsschwestern stehen in Austin im US-Bundesstaat Texas, und in Breda, einer niederländischen 190.000-Einwohner-Stadt zwischen Rotterdam und Antwerpen, kurz vor der belgischen Grenze. Mit Daisy will Apple hier zeigen, wie es aus alten iPhones wieder verwertbare Rohstoffe macht. Ist das nur Greenwashing – oder ist Daisy der Schlüssel zur Nachhaltigkeit in der Handyproduktion?
(…)
Smartphones sind ein Problem für die Umwelt. Laut den aktuellen Zahlen des Global E-Waste Monitors des Ausbildungs- und Forschungsinstituts der Vereinten Nationen (UNITAR) fielen allein 2022 weltweit 62 Milliarden Kilogramm Elektroschrott an. Das sind 7,8 Kilogramm pro Mensch, Europa ist trauriger Spitzenreiter mit 17,6 Kilogramm pro Person, weniger als die Hälfte davon wird recycelt. Etwa ein Drittel des jährlichen Elektroschrotts entsteht durch Elektrokleingeräte wie Computer, Kopfhörer oder Handys.
Heute sind Smartphones komplexe, hochleistungsfähige Geräte: Ein iPhone hat heute mehr Rechenpower, als 1969 für die Mondlandung gebraucht wurde. Das wird durch die Kombination einer Vielzahl an Materialien und Mineralien ermöglicht, wie Gold, Kobalt, Wolfram und Seltene Erden. Einige davon kommen aus Konfliktregionen, werden teils mithilfe von Kinderarbeit gewonnen, verschmutzen beim Abbau die Umwelt,
die Fertigung verbraucht viel Wasser. Herstellung und Transport machen Analysen nach den größten Teil des CO₂-Fußabdrucks eines Smartphones im ersten Jahr aus. Die Verwertung kann dem nicht Herr werden: UNITAR rechnet damit, dass der Berg an Elektroschrott fünfmal schneller wächst als das Recycling.
Das heißt: Das Beste für die Umwelt ist immer der vermiedene Neukauf. »Recycling ist nur der letzte Ausweg«, sagt Manuel Häußermann von iFixit, einer Website, die Reparaturanleitungen für Elektrogeräte anbietet und sich für ein Recht auf Reparatur einsetzt. iFixit spricht von den vier Rs: Reduce, Reuse, Repair und Recycle. Zunächst sollte man seinen Gerätezoo klein halten, dann gebrauchte Geräte bevorzugen, kaputtes sollte man reparieren – und erst wenn das nicht mehr geht, ein Gerät wegwerfen und recyceln.
Dies ist der Kontext, in dem man Apples neuesten Umweltbericht sehen muss, der am Donnerstag erschienen ist. Größte Errungenschaft für das Unternehmen ist die genutzte Menge an recyceltem Material: 30 Prozent beträgt der Anteil an allen 2025 neu ausgelieferten Produkten, sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, ein durchaus beachtlicher Zuwachs. Beim aktuellen MacBook Neo beträgt der Anteil sogar 60 Prozent. Diese Menge an Material kann nicht allein von Daisy kommen, ein Großteil dürfte zugekauft werden.
(…)
Quelle: Oerding, Hendrik: Dieser Roboter könnte 1,2 Millionen iPhones zerlegen. Könnte, www.zeit.de, 19.04.2026.
Du hast das iPhone von Cupertino bis Accra begleitet.
Auch das Gerät, das du vielleicht gerade in der Hand hältst, hat eine ähnliche Reise unternommen. Es hat Menschen beschäftigt – unter sehr unterschiedlichen Bedingungen, für sehr unterschiedliche Löhne, mit sehr unterschiedlichen Rechten:
Das ist internationale Arbeitsteilung.